Siedlung - 24. September 2026
Mehr Sicherheit, weniger Belastung auf der Baustelle
Die Arbeitsbedingungen auf dem Bau sind hart. Die Trägerschaft begegnet diesem Umstand mit dem Programm OptiBau, das die körperlichen Belastungen besonders für das Ausbaugewerbe reduziert.
Nicht nur die hohen Temperaturen machen den Beschäftigten im Baugewerbe das Leben schwer. Auch das Heben schwerer Lasten, langes Knien und Arbeiten über Kopf führen häufig zu Beschwerden und Erkrankungen. Dazu kommen Lärm, Vibrationen, Staub und Dämpfe aus Lösungsmitteln. Laut Statistik hat jeder sechste Arbeiter im Baugewerbe pro Jahr einen Unfall, drei Mal häufiger als im Durchschnitt über alle Berufsgruppen.
OptiBau schont Beschäftigte
OptiBau ist eine Initiative der Arbeitgeberverbände des Ausbaugewerbes, der Suva und der Gewerkschaft Unia. Das Instrument setzt bei der Baustellenlogistik an: Die Beschäftigten sollen möglichst wenig tragen müssen. Das erhöht auch die Sicherheit auf der Baustelle und vermeidet Unfälle.
Als gewerkschaftlich verwurzelte Genossenschaft brachte die bahoge das Thema von Anfang an ein. «Für uns ist die Gesundheit der Beschäftigten ein zentrales Anliegen», bekräftigt bahoge-Präsidentin Bruna Campanello, die bei der Gewerkschaft Unia den Sektor Gewerbe leitet.
Wohnung bleibt oben offen
Was bedeutet das konkret auf der Riethöfe-Baustelle? «Wir richten die Logistik darauf aus, dass möglichst viele Bauteile mit mechanischer Hilfe bewegt werden können», erklärt Stephan Selb. Der Architekt bei Staufer & Hasler hat sich ins Thema eingearbeitet. Die schweren, grossen Fensterrahmen und -flügel beispielsweise werden mit dem Kran auf Traggestellen in die Geschosse eingeflogen und dort zwischengelagert, bevor sie montiert werden. Der Fensterbauer sei sehr happy mit dieser Lösung, heisst es seitens der Bauleitung. «Ein grosser Fensterflügel mit dreifach-Verglasung kann bis zu 100 Kilo wiegen», erklärt Stephan Selb. Der Standort muss genau auf den Bauprozess abgestimmt sein; die Bauteile dürfen nicht im Weg stehen.

Dasselbe gilt für die Blechständer, welche die späteren Innenwände einfassen, sowie für die Gipsplatten, die palettweise auf demselben Weg in die Wohnungen segeln. Sie dienen später im Innenausbau als Wandverkleidung. «Schon die dünne Ausführung der Gipsplatte wiegt 40 Kilo», gibt Selb zu Bedenken. Erst nach diesen Anlieferungen werden die Wohnungen mit der Decke verschlossen.

Lifte als Transporthilfe
Auf einer konventionellen Baustelle würde man auf jedem Stockwerk ein Podest ans Gerüst anbauen, auf dem der Kran die Bauteile deponieren müsste. Dann müssten sie über Rampen an ihren Einsatzort gekarrt oder geschleppt werden.
Trotz der Erleichterungen im Rohbau gibt es im späteren Ausbau noch viel zu schleppen und zu stemmen: Die Küchenelemente und -geräte, die Sanitäranlagen, kilometerlange Schläuche für die Bodenheizungen, Farbtanks für die Maler:innen, …
Um den Zugang zu den Wohnungen zu erleichtern, wurden deswegen die Liftanlagen frühzeitig bestellt; sobald das Dach dicht ist, werden sie montiert und in Betrieb genommen. Sie dienen den Beschäftigten später als willkommene Transporthilfe. «Die Lifte haben eine Grösse, die den Transport vieler Bauteile mit dem Sackrolli ermöglicht», erläutert Stephan Selb.