Siedlung - 27. April 2026

Wände und Decken aus Holz

Im März wurden die ersten Holz-Bauteile angeliefert, seither geht es zügig in die Höhe mit den Mehrfamilienhäusern.

Mit 12 bis 13 Arbeitstagen rechnet Bauführer Stefan Müller für das Aufrichten eines fünfgeschossigen Hauses. Tatsächlich war Ende März bereits Haus 1 fertiggestellt. Unter Müllers Regie arbeiten sieben Monteure auf der Baustelle, sie ziehen Stockwerk um Stockwerk in die Höhe: Am ersten Tag jeweils die Aussenwände und Unterzüge, am zweiten Tag die Deckenelemente.

Stefan Müller von Zehner Holzbau führt Regie im Holzbau
Stefan Müller von Zehnder Holzbau führt Regie im Holzbau.

«Die Deckenelemente müssen wir gut vor Nässe schützen, deshalb ziehen wir abends ein provisorisches Dach auf», erklärt der Bauführer. Zu Beginn jeder Arbeitswoche ruft er bei den beteiligten Holzbauunternehmen die nötigen Lieferungen ab. Etwa sieben Transporte löst das aus. Teilweise sind sie bewilligungsflichtig, weil sie bis zu 4,8 Meter hoch oder 18,5 Meter lang sind.

Sorgfältig montieren die Zimmerleute Stück für Stück die Deckenelemente
Sorgfältig montieren die Zimmerleute Stück für Stück die Deckenelemente.

Holzbau bleibt sichtbar

Dass der natürlich nachwachsende und klimafreundliche Rohstoff Holz sowohl aussen wie innen sichtbar bleibt, ist dem Architekturbüro Staufer&Hasler ein grosses Anliegen. Die Fassaden werden mit Schindeln oder Fichtenbrettern verkleidet.
In den Wohnungen ist der Werkstoff in Form von Stützen und Unterzügen präsent. «Die Fichtenschalung der Decken wird lasiert – nicht deckend gestrichen –, so dass die Struktur des Holzes sichtbar bleibt», erklärt Co-Projektleiterin und Architektin Pia Schwyter. «Es ist also kein verkleideter Holzbau, vielmehr wollen wir ihn zeigen.»

Ein erstes Raumgefühl wird spürbar, hier in einer Wohnung im dritten Geschoss des ersten Hauses.
Ein erstes Raumgefühl wird spürbar, hier in einer Wohnung im dritten Geschoss des ersten Hauses.


Der Boden der Wohnungen wird aus Anhydrit gegossen. Pia Schwyter erklärt: «Dieses Material ist relativ warm und weich, es passt gut zum Holz. Und es hilft uns beim sommerlichen Wärmeschutz, da es Masse in den Bau bringt und so das Aufheizen verlangsamt.» Im Holzbau sind die Wohnungstrennwände, Decken und einzelne Innenwände aus mehreren Schichten erstellt. Dies dient auch dem Schall- und dem Brandschutz. «Mehrgeschossige Holzbauten müssen generell dieselben Brandschutzvorschriften erfüllen wie Massivbauten», weiss Pia Schwyter. In der Schweiz gibt es bereits Hochhäuser aus Holz.
Für die Architekt:innen bringt der Baustoff eine zentrale Herausforderung mit sich: «Holzbau verlangt nach Regelhaftigkeit und detailgenauer Planung, da vieles im Werk vorproduziert wird», erläutert Pia Schwyter.

In der Visualisierung sind Säulen und Unterzügen sowie der Gussboden sichtbar.
In der Visualisierung sind Säulen und Unterzügen sowie der Gussboden sichtbar.

Wände aus Winterthur

Die Aussenwände der 17 Häuser produziert die Firma Baltensperger in Oberwinterthur. In einer riesigen Halle werden die Bauteile vorgefertigt; anschliessend auf Pritschen verladen und mit dem Traktor nach Elsau gezogen. «Dank der Nähe zur Baustelle sind wir unabhängig vom Transporteur», sagt Daniel Hohl von der Holzbaufirma Baltensperger. «Idealerweise fährt der Traktor in 45 Minuten beladen nach Elsau und mit einer leeren Pritsche zurück.» Die Elemente sind bis zu 10 Meter lang und 1,5 Tonnen schwer.

Daniel Hohl (l.) und der leitende Zimmermann stimmen sich häufig ab.
Daniel Hohl (l.) und der leitende Zimmermann stimmen sich häufig ab.

Holz aus der Region

Woher kommt das Holz, möchten wir von Daniel Hohl wissen. Lieferant ist best wood Schneider aus Süddeutschland, verarbeitet wird Tannenholz aus der Region. «Die Schweizer Holzindustrie hat nicht genug Kapazität, um grosse Mengen zu verarbeiten», gibt Hohl zu Bedenken. Häufig wird Schweizer Holz nach Deutschland exportiert und nach der Verarbeitung wieder eingeführt.

Im Holzbaubetrieb wird papierlos gearbeitet. Alle Informationen entnehmen die Mitarbeitenden den Tablets.
Im Holzbaubetrieb wird papierlos gearbeitet. Alle Informationen entnehmen die Mitarbeitenden den Tablets.

Just in Time

Das Team aus Zimmerleuten und weiteren Mitarbeitenden baut die Aussenwände schichtweise auf. Zuerst montieren sie das Skelett, dann wird die Innenseite mit OSB-Platten beplankt. Anschliessend wendet die Equipe das Wandelement, dämmt die Hohlräume mit Mineralwolle und tackert Gipsplatten auf die Aussenseite. «Gipsplatten sind nicht brennbar und schlucken dank ihres Gewichts den Schall gut», erklärt Daniel Hohl. Schliesslich folgt eine blaue Folie als Witterungsschutz, bevor eine Schicht Latten und eine Blindschalung für die spätere Schindelmontage das Bauteil abschliesst. Stockwerk für Stockwerk verlässt die Werkhalle und gelangt just in time auf die Baustelle.

Transport der Holzelemente mit dem betriebseigenen Traktor
Der betriebseigene Traktor
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